Urlaubstagebuch

Oh, wie schön ist Panama

2011 sind wir in die Toskana verreist. Der ein oder andere kann sich vielleicht daran erinnern. Silvi hat damals einen 6-teiligen Reisebericht verfasst, den ich heute - in Erinnerungen schwelgend - wieder rausgekramt habe. Zu schön, um unbemerkt im Archiv zu vergammeln, auch wenn ggf. nur wir selber hin und wieder mal einen kurzen Blick reinwerfen, um das Gefühl von Urlaub, Sommer, Sonne und Rotwein zu bekommen, wenn die grauen und tristen Tage so gar nicht mehr weichen mögen. Der Urlaub war für uns Stubenhocker spannend - 2 hilflose Frauen alleine unterwegs mit einem Opel in Italien - mit der Erkenntnis, dass es zu Hause am aller aller schönsten ist und mit der Gewissheit, dass man sich jederzeit wieder in das Erlebte zurückträumen kann, wenn einem danach ist. Das Tolle daran, die Realität kann man sich hinterher beliebig zurechtlegen, denn sie war - in Echt erlebt-  manchesmal gar nicht so schön, wie sie nun in der Erinnerung ist - aber lest selbst:


Oh, wie schön ist Panama - Teil 1: Abreise mit Hindernissen

Eigentlich wollten wir am Samstag den 15. Oktober morgens um 5.00 h Richtung Toscana zu Steffi aufbrechen. Am Freitag gruschten wir noch die letzten Utensilien zusammen, bis uns auffiel, dass es unheimlich still in der Wohnung war, keine kleinen Hundebeine, die hinter einem hertrapsten.

Nach dem Durchsuchen der Wohnung mussten wir feststellen - Einstein war stiften gegangen. Natürlich suchten wir als erstes die üblichen Gassiwege ab, kein Einstein weit und breit. Daher entschlossen wir uns erst einmal abzuwarten. Inzwischen war es dunkel geworden, der Hund immer noch nicht da, aber inzwischen waren die Jäger unterwegs, bei uns war die Jagdsaison eröffnet. Die Todesangst, die wir um unseren Hund hatten, kann ich hier gar nicht beschreiben. Nachts um 12.00h gingen wir nochmals erfolglos auf die Suche. Ich glaube, ich brauche nicht zu beschreiben, wie unheimlich es ist, durch die dunklen Waldwege zu kriechen.

Inzwischen hatte ich Steffi abgesagt, wir konnten nicht fahren, ohne zu wissen, wo der Hund abgeblieben war. Am Samstag Morgen machte sich Sonja telefonisch auf die Suche: Tierheim und Polizei und siehe da, bereits Freitagnacht hatte jemand einen Beagle gemeldet, den sie an einer Tankstelle aufgesammelt hatten. Die Leute waren natürlich der Meinung, der Hund sei wegen Urlaub ausgesetzt worden.

So gegen 11.00h hatten wir unseren Hund endlich wieder. 15km von unserer Wohnung entfernt war er bei den netten Leuten über Nacht geblieben. Dort ging es im ziemlich gut, hatten die Retter ebenfalls 2 Hunde und Einstein liebt Gesellschaft.

So konnten wir nun endlich gegen 13.00h hier abfahren. Die Aufregungen mit dem Hund waren nicht ohne, so dass uns die Lust am Verreisen eigentlich schon vergangen war, ehe die Reise begonnen hatte, hies es doch auch, dass wir den Hund keine Sekunde ableinen durften.

Gegen 21.30h waren wir dann endlich in Gaiole bei Steffi und so hat unsere Wohnung ausgesehen - traumhaft schön gell?









Gaiole liegt etwa 30 km von Siena entfernt, sehr einsam und abgelegen. Das Haus von Steffi liegt im Wald und ist nochmals ca. 10 km von Gaiole entfernt. Gaiole ist praktisch der nächste kleinere Einkaufsort.

Steffi selber lebt seit 30 Jahren in der Toscana und hat diese "Campana" - also das Gästehaus liebevoll und mit einer äußerst interessanten Einrichtung renoviert.  4 Personen können locker in dem kleinen Häuschen wohnen. Für eine Familie mit Kindern ideal, da kein Verkehr ist und um das Häuschen ist ein riesiger Garten, in dem man sich frei bewegen kann. Es leben 2 große Hunde, 4 Katzen und einige Hühner auf dem Hof - ansonsten leben Steffi und ihr Sohn Mirko im Haupthaus.

Das Haus von Steffi ist inzwischen 300 Jahre alt und hat eine sehr angenehme Atmosphäre.

Von dem,was wir so erlebt haben, gibt es jeden Tag ein bisschen etwas zu berichten, untermalt mit herrlichen Fotos. Das Wetter war traumhaft schön, sehr herbstlich, also genau so kühl wie bei uns, aber für die Touren, die wir unternommen haben, ideal.

Anmerkung 01/2015:
Die Campana war herrlich, die Sonnenstrahlen, die einen aufgeweckt haben - die Wärme, wenn man den Schwedenofen angeheizt hat -  morgens der Kaffee und Hefehörnchen dazu - ein Gedicht und überhaupt *seufz*


Oh wie schön ist Panama Teil 2: Einkaufstour





Das hier sind ein paar Bilder von Gaiole. Gaiole ist ca 10 km von Steffi  entfernt, Steffi wohnt in Gaile La Dutta, lustig, gell. Man kann dort ein paar Kleinigkeiten kaufen, so das Nötigste. Für unseren Großeinkauf waren wir in Montevarchi. Da gab es einen richtigen Lidl, so wie bei uns. Das Angebot war zu unserem Erstaunen wesentlich attraktiver, als das hier in den deutschen Lidl Läden - allerdings auch um einiges teurer. Wir haben uns mit einem Wochenvorrat eingedeckt, weil wir in der Ferienwohnung lebten und es viel zu weit war, um irgend wohin zum Essen zu fahren, ausserdem war Einstein mit.

Nachmittags machten wir eine kleine Wanderung durch die Weinberge



Ist es dort nicht traumhaft schön? Für die Weinlese kamen wir zu spät, die Weintrauben waren gerade 1 Woche vorher geerntet worden.  Wir hatten schönes angenehm warmes Herbstwetter und auf den Steinen haben wir ein bisschen Brotzeit gemacht und uns über die Stille gefreut. Man hört nichts, nur Vögel, Insekten, aber keine Menschen und keinen Straßenlärm.

Anmerkung 01/2015:
Heute können wir zugeben, dass wir unser eigentliches Vorhaben, einen vermeintlich traumhaften Rundwanderweg entlangzuschlendern, nicht verwirklichen konnten, weil wir den Wanderweg schlicht und einfach nicht gefunden haben.

Nachdem es etwas zu früh war, um in die Capana zurück zu kehren, besuchten wir das Weingut Brolio, in dem Chianti hergestellt wird

Das wäre der Eingang gewesen und eigentlich wollten wir diese riesige Schloßanlage von innen ansehen. Nachdem wir Einstein nicht mit in den Park nehmen durften, erbot sich die Verkäuferin der Eintrittskarten, auf Einstein aufzupassen. Allerdings hat sie den Hund vor lauter Begeisterung laufen lassen. Nachdem Einstein nun den Geruch der Freiheit bereits vor ein paar Tagen kennengelernt hatte, war er mit einem Schwups ab durch die Mitte - wir sahen gerade noch die weiße Schwanzspitze. Sonja hinterher, schreiend und schimpfend, man ist in solchen Momenten total wütend und Steini geflitzt, als ginge es um die Goldmedaille. Wir hatten Glück, dass uns ein anderer Gast mit einem Hund entgegenkam, so daß wir Einstein während der Begrüßungszeremonie fangen konnten. Also der Hund hat uns schon auf Trab gehalten. Uns ist nicht langweilig geworden.

Das Schloß haben wir an dem Tag nicht mehr besucht aber ein paar Tage später und da gibts Bilder von zu sehen und ein paar richtig schöne Schauergeschichten.


Oh wie schön ist Panama Teil 3: Siena










Das sind ein paar Einblicke in die Stadt Siena. Siena ist wohl eine der schönsten Städte Italiens neben Florenz und Rom. Wir waren verzaubert. Die engen Gassen, die wundervollen alten Häuser das schöne Ambiente.

Die Fahrt nach Siena hat sich wieder als Abenteuer gestaltet. In die Innenstadt von Siena kann man nur schlecht mit dem Auto fahren, weil es keine Parkplätze gibt. Also haben wir die Busfahrt gewählt. Wir konnten unser Auto am Hauptbahnhof parken und fuhren anschließend mit dem Bus. Das war jedoch eine Odysee. Man konnte den Abfahrtsort des Busses kaum finden, der war hinter einem Gebäude versteckt. Tja und dann stellt sich die Frage, welchen müssen wir denn nehmen, um in die Innenstadt zu kommen und wo müssen wir aussteigen.

Also sind wir einfach in den ersten Besten eingestiegen und an der Endstation ausgestiegen und siehe da, wir hatten Glück, wir waren mitten im Zentrum von Siena und um's Eck war der Campa, der schön große Platz, auf dem Markt stattfindet und 1 x im Jahr ein Pferderennen zwischen den Stadtbezirken - glaube ich jedenfalls. Dort haben wir uns zu all den anderen Besuchern auf den Boden gesetzt, Eis geschleckt, geträumt und wir haben versucht uns vorzustellen, wie es wohl früher gewesen war, als hier die edlen Herren und Damen mit den antiken Kostümen flaniert sind.

In Siena gibt es auch sehr schöne Modegeschäfte - italienische Mode, mit dem gewissen Etwas. Davon gibt's Fotos und einen kleinen Bericht. Ausserdem (bitte nicht weiter sagen) werde ich ein paar Schnitte davon anfertigen, unter anderem von einem Kinderkleid, von dessen Kreation ich hin und weg war.

Und hier noch ein paar italienische Illusionen, weil es gar so schön ist





Ach ja, das habe ich noch gar nicht erzählt, ein paar kleine Interna. Eigentlich wollten meine Tochter, mein Sohn und ich zusammen nach Italien fahren. Meine Kinder sind schon erwachsen, nur so zum besseren Verständnis. Chris mein Sohn musste kurzfristig wegen einer üblen Erkältung absagen, so sind wir 2 Frauen mehr oder weniger unfreiwillig alleine gefahren. Also mit Mann hätten wir uns schon wohler gefühlt. Die Aktion mit Einstein hat uns auch nicht gerade positiv gestimmt. Irgendwie hing alles unter einem schlechten Stern.

Also wohl oder übel fuhren wir alleine und haben die Fahrt schon mal ganz gut hinter uns gebracht. Die erste Hürde, die sich etwas unstimmig gestaltete war die Bezahlung der Maut. Wir sind ja nicht eben die Profis die 3 x im Jahr nach Italien fahren und wußten daher nicht so genau, wie's funktioniert. Das Mauthäuschen war nämlich unbemannt. Auf jeden Fall stehen wir an der Mautstelle und wissen nicht in welchen Schlitz wir das Geld stecken sollten. Der Schein wurde nirgends eingezogen. Sonja steckt in der letzten Verzweiflung, weil sich natürlich hinter uns 2 doofen Weibern (so denken sicherlich viele, die da warten mußten) eine Schlange gebildet hatte, ihre EC Karte in den Schlitz und schwups ging die Schranke auf. Sie weiß bis heute nicht wie bezahlt wurde, das Gerät verlangte keine Unterschrift, keine Pin Nr und sonst auch nichts. Hoffen wir mal, dass es beim nächsten Kontoauszug keine üble Überraschung gibt. Auf dem Heimweg haben wir uns wohlweislich einen Schalter mit menschlichem Bewohner gesucht, der kassiert hat.

Tja und dann sind wir mitten in der Nacht in Gaiole angekommen. Totmüde sind wir ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen sehen wir uns beide verschlafen an, in der Erkenntnis, dass alle Wege nach irgend etwas sehenswertem mindestens 40 km weg sind und mit der Tatsache, dass hier keiner Deutsch oder Englisch spricht und wir also auch nichts fragen können. also wir sehen uns an, mit der unausgesprochenen Frage, fahren wir gleich wieder heim, was im übrigen jeder von uns beiden am allerliebsten getan hätte oder kratzen wir unser bisschen Mut zusammen und ziehen wir aus, Italien zu erobern? Allein die Tatsache, was wir uns hier zu Hause von unseren Freunden anhören hätten dürfen, hat uns dazu bewogen, dem Urlaub ins Auge zu schaun und ihn hinter uns zu bringen.

Es hat sich gelohnt - wir kamen stolz wie Bolle nach Hause - haben es verstanden den Widrigkeiten des Lebens ins Auge zu blicken und haben wirklich traumhafte Erlebnisse gehabt,.Die Bilder, die ich noch habe, werden das zeigen. Aber so kann's gehen, wenn man einen gemütlichen Urlaub machen möchte und letztendlich alles anders ist, als geplant. Ich hasse nämlich verreisen. 


Oh, wie schön ist Panama, Teil 4: Florenz

Ich sitze gerade hier und übe mich in Multitasking. Die Stickmaschine läuft, weil ich gerade am Probesticken für die Hampelmänner bin, um einen Workshop zu erstellen. Ich bin ja sowas von rastlos und kann mich natürlich nicht in Ruhe hinstellen und der Stickmaschine zusehen, wie sie arbeitet,
nö ich schreibe nebenher die Blogeinträge. Nachdem ich so viele Pläne im Kopf habe, bin ich natürlich darum benüht, jede Minute sinnvoll zu nutzen.

Jetzt noch ein paar Bilder von Florenz. Ich war schon lange nicht mehr so beeindruckt, wie von der Schönheit dieser Stadt und auch dem Flair, das wie ein Sonnenstrahl über der Stadt liegt.
Dieses mal sind wir mit dem Zug nach Florenz gefahren. Wir waren ungefähr 1 Stunde unterwegs. Zugfahrten geniesse ich in vollen Zügen, man kann sich ausruhen, kommt sicher ans Ziel und kann sich die Gegend ansehen. Das mit dem Ziel war ja auch wieder so eine Sache, wir sind mal auf gut Glück am Hauptbahnhof ausgestiegen und die Innenstadt war "Gott sei's gedankt" nicht weit davon entfernt. Sonja war schon einmal vor 10 Jahren in Florenz und konnte sich noch gut erinnern, wo die Wege lang gingen, um die Sehenswürdigkeiten schnell zu erreichen.








Und den gab's hier auch!!! Hinterher haben wir uns geärgert, dass wir das Geschäft nicht von innen besucht haben, um es mit der deutschen Mode zu vergleichen. In Budapest gibt's übrigens auch einen H+M - dort war die Mode traumhaft, mit unserer hier in Deutschland angebotenen Mode gar nicht zu vergleichen


Und natürlich habe ich mich auch nach Kindermodengeschäften umgesehen, oh Mann waren die toll, das wäre so ein Traum, so ein Geschäft sein eigen zu nennen. Aber man kann ja einiges davon in eigenen Entwürfen umsetzen :-)






Ein paar von den Kleidern hatten es mir angetan, die werde ich mit eigenen Ideen kreieren, ach ja, habe ich bereits erwähnt.  Übrigens habe ich von Siena von einem Kindergeschäft auch noch Fotos. Dort habe ich ein Kinderkleid gesehen, das hätte ich meiner kleinen Tochter gekauft. Aber leider ist meine Tochter ja schon etwas größer.

Und geärgert haben wir uns auch, wir wollten nur ein kleines Eis essen, da haben mir mal locker flockig 16 Euro bezahlt, ja ist schon richtig für 2 Eis, insgesamt 4 Kugeln. Also man sollte ein Eisgeschäft in Florenz besitzen. Übrigens sind dort deswegen auch nirgends Preise angeschrieben, deutsch wollen sie nicht sprechen und sie verlangen einfach. Das fand ich echt übel.

Die Heimfahrt trug wieder enorme Spannung in sich, ob wir den richtigen Zug erwischt haben, die Strecke war nämlich eine ganz andere, mit jedem Meter weiter, den wir fuhren, grummelte mein Bauch mehr. Erstens waren wir schon ziemlich müde, dann stand das Auto am Abfahrtsbahnhof und lauter solche Sachen. Aber was soll ich Euch sagen, wir sind wieder da angekommen wo wir gestartet waren. Ende gut, alles gut.

Anmerkung 01/2015:
Wegen dem Eis bin ich heute noch sauer, weil's nicht mal geschmeckt hat!


Oh, wie schön ist Panama, Teil 5: Brolio








Brolio ist eine uralte Schloßanlage mit Weingut, in dem der berühmte Chianti gekeltert wird. Die Geschichte von Brolio geht weit in frühere Jahrhunderte zurück. Im Sommer ist Brolio von den Besitzern noch bewohnt.

Leider hat Brolio auch einen dusteren Teil in der Geschichte, der uns in der kommenden Nacht ziemlich zu schaffen machen sollte.

Das Schloß konnte man innen leider nicht besichtigen, sondern lediglich die Garten/Aussenanlagen und die Krypta. In der Krypta werden bis zum heutigen Tag die Grafen/Gräfinnen von Brolio bestattet und der letzte Graf oder Baron wurde vor ein paar Jahren in der Gruft beigesetzt.

Nach ein paar Minunten Aufenthalt in der Gruft und dem Betrachten der Grabplatten bezüglich der Sterbedaten ging es mir gar nicht gut, es war mir richtig schwindelig und komisch, einfach nur mehr komisch. Ich dachte ich fühle mich nicht so gut oder ich bilde mir die unangenehmen Schwingungen in der Gruft nur ein.

Draussen im Garten musste sich meine Tochter hinsetzen, sie war kreidebleich und auch sie hatte die merkwürdige, sehr unangenehme Stimmung in der Gruft bemerkt. Also zwei Spinnerinnen, die an übersinnliche Schwingungen glauben und auch noch vermeinen, diese zu spüren.

Na ja, wir beendeten die Besichtigung und waren von der Anlage beeindruckt. Glaubt man an frühere Leben, hätte ich steiff und fest behauptet, ich kenne das Schloss aus früheren Leben.

Zurück im Haus von Steffi erzählten wir von unserem Besuch. Steffi wollte uns einen Kaffee anbieten bei einem gemeinsamen Schwäzchen, Sonja lehnte ab und meinte ihr wäre noch ganz schlecht vom Besuch des Schlosses. Steffi meinte nur, wart ihr etwa in der Gruft? (Wir schwören, wir hatten die Gruft mit keinem Wort erwähnt!). Tja und dann hat sie uns erzählt, dass sie die letzten Grafen von Brolio noch persönlich gekannt hätte, dass der letzte Sohn Selbstmord begangen hatte und vor ein paar Jahren wurde dessenVater in der Gruft beerdigt. Sie erzählte auch, dass sie selber die Gruft gar nicht betreten könne, weil auch sie diese Schwingungen fühlte und es ihr dabei gar nicht gut ging und dass auch andere Gäste ihr das Gleiche erzählten.

Um das Schloß ranken sich auch einige Gruselgeschichten, die einem die Nackenhaar sträuben ließen. Unter anderem war ein Baron, aus früherer Zeit ein richtiger Tunichtgut. Er feierte Orgien, ermordete Leute, trank und verspielte Hab und Gut. Als dieser Baron nun verstorben war, wurde er der Gruft verwiesen und ein paar Bauern wurden beaufttragt, ihn in die nahen Berge zu bringen und dort in einer Höhle zu bestatten. Nur wurde beim Transport der Sarg so schwer, dass die Bauern den Sarg mitten im Wald stehen liessen und ihn an einen Baum angekettet haben.

Seither heißt es, dass dieser Baron mit einem weißen Pferd im Galopp durch die Wälder streicht. Steffi und ihr Sohn haben diese Wahrnehmungen bereits erlebt und ich hatte ehrlich gesagt nicht den Eindruck, dass Steffi besonders abgehoben wäre, eher im Gegenteil total bodenständig.

Inzwischen war es dunkel geworden und wir mussten ein paar Meter zu unserem Gästehaus gehen, es war so unheimlich, dass wir uns vor lauter Angst kaum noch halten konnten. Brolio war nur 5 km weiter weg und es hätte uns nicht verwundert, wenn die Erscheinung des Barons durch die Tür geschlüpft wäre. Die Nacht war furchtbar. Wir lauerten auf jedes Geräusch und jedes Knacken, es war so was von gruselig. Um den kleinen Bauernhof war ja nur Wald und der Wald hat nachts sowieso so viele Geräusche. Mir läuft jetzt noch beim Schreiben die Gänsehaut.

Am nächsten Tag - es war Abreisetag - haben wir unsere Klamotten in windeseile ins Auto gebracht, damit wir weg kamen. Und was passiert? Als wir das kleine Bauernhaus von Steffi verlassen wollten, zeigte das Auto direkt an der Hofeinfahrt an "Kühlwasserstand niedrig", obwohl wir es zu Hause aufgefüllt hatten. Sonja hatte das schon öfters erlebt und wollte nachfüllen. Da brach der Kühlerdeckel in 2 Teile. Nix war's mit dem Auffüllen und wir mussten noch 800km nach Hause fahren.

War es vielleicht so, dass der Baron von Brolio uns nicht fahren lassen wollte???? Jetzt aber weg, Wasserstand hin oder her. Übrigens, wir haben dann noch kurz vor der Autobahn eine Opelwerkstatt gefunden, die uns den Deckel gewechselt hat für nur 6,00 EUR und wir kamen gut zu Hause an.

Aber diese Erlebnisse waren schon äußerst merkwürdig und wir haben die Angst sehr real verspürt.

Anmerkung 01/2015:
Auch heute, Jahre später, stehen mir die Haare zu Berge und Brolio ist der Grund, warum ich dort nicht mehr hinfahren möchte - trotz der wunderschönen Campana von Steffi und des wohl besten Rotweins, den ich je in meinem Leben getrunken habe. Er stammte vom Nachbarn, ein netter alter Herr, der sich seinen eigenen Wein hergestellt hat. Ob der alte Herr wohl noch lebt?


Oh, wie schön ist Panama, Teil 6: Steffi's Weberei









Das Beste zum Schluss, die Webstühle von Steffi. Einer der Webstuhle ist so ungefähr 300 Jahre alt. Steffi hat uns erzählt, dass es in der Toscana üblich war, dass jeder Bauernhof sein eigenes Webzimmer hatte, in dem Spinnräder und ein Webstuhl standen. Dort wurde im Winter der Stoff für die Leute gewebt. Für die Bauern Hanf und Flachs und für die Herrschaft Leinen und Baumwolle. Der Bauernhof auf dem Steffi lebt, ist auch 300 Jahre alt und original erhalten. Natürlich sind einige Modernisierungen vorgenommen worden, wie Heizung und Strom oder auch Fenster aber dass war's auch schon. Die Weberei ist in einem ehemaligen Viehstall, der dementsprechend für die Weberei hergerichtet wurde.

Ich war total erstaunt, wie so ein Webstuhl funktioniert, die Technik ist simpel, aber sehr beeindruckend. Die Vorarbeiten, um erst einmal einen Stoff weben zu können, sind sehr anstrengend und aufwendig. Ein Webstuhl ist dabei, da müssen 1.400 Kettfäden mit hunderte von Metern aufgespannt werden. Die Kunst ist wohl auch, dass alle Kettfäden gleich streng gespannt sein müssen, ansonsten gibt es schlaufen beim Weben. Auch das Weben der Muster erfordert Können und unterliegt langen Traditionen. Man setzt sich also nicht einfach mal so an den Webstuhl und fängt an zu weben, es ist wirkliches Handwerk und erfordert viel Wissen.

Steffi verarbeitet tolles Material. Zum Teil bekommt sie noch gesponnenen Hanf, der bereits 60 Jahre und mehr liegt, zum Weben von den Bauern geschenkt - das sind wohl Dachbodenfunde. Dann verarbeitet sie Merinowolle, Morhair, Seide, Hanf, Leinen, Baumwolle, Bambus und viele andere schöne Materialien. Beneidenswert und traumhaft schöne Stoffe. Für 1m Stoff sitzt sie in etwa 1,5 Stunden, wenn es sich um Wolle handelt, bei entsprechend dünnerem Garn auch schon mal länger.

Es sind kostbare Stoffe - also wenn ihr Euch einmal so etwas Schönes leisten wollt, könnt ihr Euren Stoff bei Steffi in Auftrag geben.

Und zu guter letzt noch ein paar Bilder von einem Laden in Siena mit Kindermode, die mir so sehr gefallen hat und auch noch andere Mode





Die Reise auf der Suche nach Panama war sehr schön, aber wir haben, wie der kleine Bär und der kleine Tiger auch unser Panama zu Hause in Niederbayern gefunden. 

Übrigens, die Mautgebühren wurden niemals abgebucht - im Jahr 2013 - 2 Jahre später, bekam ich auch eine Mahnung von einer italienischen Betreibergesellschaft, dass ich die Mautgebühren nicht bezahlt hätte und vor einigen die Tagen im Jahr 2015 die 2. Aufforderung, die mich an diesen Urlaub wieder erinnert hat :O)