Freitag, 7. Juni 2013

Wir sind im Moment zu Hause,

sicherlich verfolgt ihr in den Nachrichten unsere Katastrophe. Im Fernsehen ist es schlimm und unvorstellbar. Hier in echt ist es nicht auszuhalten. Ganz Deggendorf und Randgemeinden sind überflutet.

Hunderte von Tieren sind ertrunken - Feuerwehrleute mussten zusehen wie die Rehe in die falsche Richtung geflüchtet sind, vor lauter Angst ins Wasser gesprungen sind um zu ertrinken, weil sie nicht mehr die Kraft hatten ans Ufer zu kommen.

Fischerdorf gleicht einer Katastrophenstadt wie nach dem Krieg - die Leute haben nichts mehr. Es gingen zwar Warnungen bereits am Montag ein, aber man kann es nicht glauben und selbst wenn man es glaubt, schafft man es nicht eine komplette Wohnung zu räumen. Ein Bauer hat sich geweigert seine Tiere mitzugeben, der Transport war schon da, es sind 250 Kühe ertrunken, wegen der Arroganz und der Dummheit eines Menschen

Arbeitskollegen haben Wasser, Dreck, Öl und was weiß ich bis in den ersten Stock. Eine Arbeitskollegin ist mit der kompletten Familie betroffen, weil Eltern, Schwiegereltern und andere Verwandschaft im selben Ortsteil gewohnt haben. Eine Freundin wohnt in der Nachbargemeinde und weiß bis jetzt noch nicht wie weit ihr Haus überflutet ist - es ist ja nicht nur der Wasserschlamm - es sind Umweltkatastrophen mit ausgelaufenen Öltanks, Chemikalien und vieles andere mehr

Heute Morgen hat uns der Nachbar erzählt, dass die Dämme inzwischen so aufgeweicht sind, dass man zusehen kann wie sich der Damm hin und her bewegt. Es ist einfach zu viel Wasser.

Wir selber sind nachts weg und schlafen bei Freunden, tagsüber sind wir in der Wohnung, die auch aussieht wie nach einem Bombenanschlag, weil wir alles in den ersten Stock gebracht haben. Angesichts der Grausamkeit wird man bescheiden und hofft und betet nur mehr, dass es an einem selber vorbei geht.

Wie gesagt wir sind noch verschont, haben aber immer noch die höchste Hochwasserstufe und bangen sicherlich noch bis zum Sonntag. Wir hoffen, das Wetter bleibt so und der Regen setzt nicht wieder ein.

Wir selber stehen total neben der Rolle - man kann nicht mehr klar denken, ist total konfus und es fällt schwer, selbst das Notwendigste  zusammen zupacken, weil man im Moment einfach nicht weiß was das nötigste ist.

Ich wünsche niemanden, dass er das einmal erleben muss.

Unser Leben wird lange nicht mehr normal sein. Hier bei uns hoffentlich schon, aber unsere Firma steht in dem schlimmsten betroffenen Gebiet und steht auch unter Wasser ca 1.50 m - bei uns wird es weiter gehen, aber wir werden lange, lange durch einen zerstörten Ortsteil fahren, wo jede Familie ihr persönliches Drama hat an dem sie noch Jahre zu tragen haben.

Man muss es erlebt haben sonst kann man es nicht glauben. 

Seid herzlich gegrüßt und seid alle so gut Beschützt, dass euch sowas nie im Leben passiert
silvi