Montag, 17. Juni 2013

Mein Arbeitsplatz

ist noch nicht so ganz trocken.

Ich arbeite in einem riesigen Konzern und wir hatten einen ganz super schönen Arbeitsplatz in einem Glaspalast

Damit Ihr einen Eindruck habt was das Hochwasser bei uns angerichtet hat, ein paar Fotos

 das hier ist unsere Eingangshalle - hier auf der linken Seite vom Bild wäre mein Arbeitsplatz, das Wasser ist hier ca 1,50 m hoch im Raum gestanden


 das ist aussen das Betriebsgeläne, hier ist gut zu sehen, wie hoch alles überschwemmt ist
 und so sahen die Büros aus, nachdem das Wasser einigermaßen abgeflossen ist

wir sind nun mit unserer Firma umgezogen bis alles wieder hergerichtet ist. Das wird voraussichtlich 6 Monate in Anspruch nehmen.

Was nicht zu sehen ist, der ganze Dreck, das ausgelaufene Heizöl, Chemikalien und sonstiges Unratszeugs, das auch die ganze Umwelt belastet

In diesem Zusammenhang Euch allen vielen Dank für die aufmunternden Worte 

Wünsche Euch allen, dass jedem so eine Katastrophe erspart bleibt

liebe Grüße
silvi (noch arg gebeutelt)

Samstag, 8. Juni 2013

Gott sei Dank

das schlimmste ist im Moment ausgestanden. Wir durften heute wieder nach Hause. 100%ige Entwarnung ist noch nicht gegeben, weil Regen angesagt ist. Aber wir in Altenufer sind schlimmstenfalls mit vollgelaufenen Kellern dabei, sollte die Donau nochmals ansteigen und ein Damm nicht halten.

Die Nachbarn sind wieder da und noch nie war Kindergeschrei, Rasenmähermotor und das Ratschen von den Nachbarn so schön als wie heute. Die Sonne scheint und die Erleichterung
 von allen liegt in der Luft. Ich glaube wir haben uns gegenseitig noch nie so herzlich gegrüßt als heute.

Die Zeit war schlimm, aber wie durch ein Wunder wurden wir verschont - den himmlischen Helfern sei herzlichst gedankt - man lernt zu glauben, wenn man nicht gläubig ist.

Trotz der schlimmen Tage haben wir viel gelernt, die große Anteilnahme von allen, zu begreifen was wirklich wichtig ist und was nicht - wie glücklich bestrahlt unser bisheriges Leben war und wir haben es gar nicht mehr bemerkt - die vielen, vielen Hilfsangebote von Bekannten, Freunden und Fremden . Ja man lernt sich und seine Umwelt neu kennen. Ich persönlich werde mich nie mehr wieder über mein Leben beschweren - ich weiß jetzt wie gut wir es haben und noch haben.

Vielen lieben Dank für die aufmunternden Emails, die lieben Gedanken, guten Wünsche und das Daumen drücken. Es hat geholfen und wir sind nur mehr erleichtert und total erschöpft.

Freunde von uns hat es schwerer erwischt, da helfen wir ab morgen mit, dass sie wieder normal leben können und andere Arbeitskollegen sind am Ende, die wohnen in Fischerdorf, der am schlimmsten betroffene Ortsteil hier in Deggendorf.  Dort werden wir auch versuchen zu helfen, aber derzeit geht es noch nicht - der Ortsteil steht in der Senke und das Wasser fließt nicht ab - dort wird nach Lösungen gesucht. Es ist alles so schlimm, wirklich unfassbar schlimm

Freut Euch, wenn bei Euch alles in Ordnung ist, Ihr gesund seid und Euer Hab und Gut gesichert ist - von einer Sekunde auf die andere kann alles vorbei sein - das haben wir erfahren

Seid alle ganz lieb von uns gegrüßt
silvi und Sonja


Freitag, 7. Juni 2013

Wir sind im Moment zu Hause,

sicherlich verfolgt ihr in den Nachrichten unsere Katastrophe. Im Fernsehen ist es schlimm und unvorstellbar. Hier in echt ist es nicht auszuhalten. Ganz Deggendorf und Randgemeinden sind überflutet.

Hunderte von Tieren sind ertrunken - Feuerwehrleute mussten zusehen wie die Rehe in die falsche Richtung geflüchtet sind, vor lauter Angst ins Wasser gesprungen sind um zu ertrinken, weil sie nicht mehr die Kraft hatten ans Ufer zu kommen.

Fischerdorf gleicht einer Katastrophenstadt wie nach dem Krieg - die Leute haben nichts mehr. Es gingen zwar Warnungen bereits am Montag ein, aber man kann es nicht glauben und selbst wenn man es glaubt, schafft man es nicht eine komplette Wohnung zu räumen. Ein Bauer hat sich geweigert seine Tiere mitzugeben, der Transport war schon da, es sind 250 Kühe ertrunken, wegen der Arroganz und der Dummheit eines Menschen

Arbeitskollegen haben Wasser, Dreck, Öl und was weiß ich bis in den ersten Stock. Eine Arbeitskollegin ist mit der kompletten Familie betroffen, weil Eltern, Schwiegereltern und andere Verwandschaft im selben Ortsteil gewohnt haben. Eine Freundin wohnt in der Nachbargemeinde und weiß bis jetzt noch nicht wie weit ihr Haus überflutet ist - es ist ja nicht nur der Wasserschlamm - es sind Umweltkatastrophen mit ausgelaufenen Öltanks, Chemikalien und vieles andere mehr

Heute Morgen hat uns der Nachbar erzählt, dass die Dämme inzwischen so aufgeweicht sind, dass man zusehen kann wie sich der Damm hin und her bewegt. Es ist einfach zu viel Wasser.

Wir selber sind nachts weg und schlafen bei Freunden, tagsüber sind wir in der Wohnung, die auch aussieht wie nach einem Bombenanschlag, weil wir alles in den ersten Stock gebracht haben. Angesichts der Grausamkeit wird man bescheiden und hofft und betet nur mehr, dass es an einem selber vorbei geht.

Wie gesagt wir sind noch verschont, haben aber immer noch die höchste Hochwasserstufe und bangen sicherlich noch bis zum Sonntag. Wir hoffen, das Wetter bleibt so und der Regen setzt nicht wieder ein.

Wir selber stehen total neben der Rolle - man kann nicht mehr klar denken, ist total konfus und es fällt schwer, selbst das Notwendigste  zusammen zupacken, weil man im Moment einfach nicht weiß was das nötigste ist.

Ich wünsche niemanden, dass er das einmal erleben muss.

Unser Leben wird lange nicht mehr normal sein. Hier bei uns hoffentlich schon, aber unsere Firma steht in dem schlimmsten betroffenen Gebiet und steht auch unter Wasser ca 1.50 m - bei uns wird es weiter gehen, aber wir werden lange, lange durch einen zerstörten Ortsteil fahren, wo jede Familie ihr persönliches Drama hat an dem sie noch Jahre zu tragen haben.

Man muss es erlebt haben sonst kann man es nicht glauben. 

Seid herzlich gegrüßt und seid alle so gut Beschützt, dass euch sowas nie im Leben passiert
silvi


Montag, 3. Juni 2013

Hochwasser bei uns

bisher haebn wir mit Staunen und Entsetzen die Naturgewalten in Passau betrachtet. Passau liegt 35 km von uns weg und ist meine Geburtststadt.Ich liebe Passau sehr,ist wie ein kleines Venedig und sehr charmant. Die Menschen dort sind sehr tapfer und ich glaube fast, dass die vielen Hochwässer zu deren Leben gehören - wenn es auch ein eher sorgenvoller Bestandteil ist und eine ganz üblie Existenzbedrohende Sache.

Man sitzt da und staunt.

wie gesagt wir wohnen 35 km weiter weg und auch an der donau zwiscehn Deggendorf und Passau. Heute morgen waren wir bereits mitdem Hochwasser konfrontiert, weil meine Tochter in Passau arbeitet und nicht mehr in die Innenstadt konnte. Dort ist alles überflutet. Tiefgaragen die 5 Stockwerke unter die Erde gehen sind voll bis oben hin hundertausende Kubikmeter Wasser. Noch hat es für Sie einfach nur einen freien Tag bedeutet. 

Ich selber arbeite in Deggendorf. Heute Nachmittag wurden wir bereits von der Feuerwehr angewiesen unsere Computer und alles wichtige auf die Schreibtische zu stellen - unsere EDV wurde abends abgeschaltet und Gerätschaften wurden in den ersten Stock gebracht.

Zu diesen Ereignissen hat man noch eine gewisse Distanz und man hofft halt, dass der Arbeitsplatz morgen noch trocken ist.

Heute abend gegen 21.00 h klingelt es bei uns an der Tür und dieses Mal steht die Feuerwehr mit Anordnungen direkt vor meiner Haustür und bringt bedrohende Botschaften. Der Pegel der Donau steigt unaufhörlich und es regnet und regnet. Die Dämme sind aufgeweicht und keiner kann wirklich voraussehen welches Ausmaß diese Katastrophe noch mit sich bringen wird.

Seit 21.00 h räumen wir nun unsere Habseligkeiten in den ersten Stock. Wir haben Gott sei dank einen ersten Stock - die wichtigsten Sachen haben wir nach oben gebracht, voller Panik und voller Angst. Jetzt ist es nicht mehr nur ein Hochwasser das irgendwo statt findet, nein es findet unmittelbar vor und in meiner Wohnung statt. Haben wir Glück, geht der Kelch nochmals an uns vorüber - hält das Wetter weiter so an, können wir ein großes Katastrophenereignis zu unseren Erlebnissen hinzuzählen welche wir unseren Enkeln erzählen werden.

Es ist sehr schwer in solchen Situationen nicht vollkommen in Panik auszubrechen, die Nerven noch zu behalten und überhaupt noch ein bisschen klar zu denken. Wir haben innerhalb kürzester Zeit einiges in den ersten Stock getragen und trotzdem wir der Schaden, wenn das Wasser bis in die Wohnung kommt kaum zu bezahlen sein. Fußböden, einige Möbel, die komplette Küche sind dann wohl nicht mehr zuretten.

Aber das Schlimmste wird die zukünftige Angst sein, wann es wieder einmal so weit sein wird. Die Katastrophen werden größer, das Ausmass unermesslicher und in keinster Weise mehr einschätzbar.

Mein Sohn meinte, dass das von den Verantwortlichen alles Panikmache sei. Ich kann das nicht so sehen. Dieses Hochwasser übertrifft alles seit 500 Jahren und so hat man doch noch eine geringe Chance einiges in Sicherheit zu bringen was einem lieb und teuer ist.

Morgen früh um 8.00  werden wir evakuiert - oder auch nicht. Hoffen wir mal nicht.

Ich drücke allen die Daumen, welche auch davon betroffen sind, dass alles wieder gut wird.

Ihr fragt Euch vielleicht, warum ich noch angesichts der nahenden Katastrophe hier sitze und schreibe - es ist das Einzigste was ich ausser warten im Moment tun kann und schreiben beruhigt irgendwie.